WM Stuttgart No. 11 – The resurrection: REVIEW

Nach einer langen Zeit der Abstinenz des Stuttgarter Web Montags wurde er am 23. November quasi wiederbelebt. Der Web Montag fand in der Hochschule der Medien (HdM) statt. Nach kleinen Startschwierigkeiten konnten wir mit dem ersten Vortrag beginnen.

Michael Raith, ein Medieninformatik Bachelor Student von der HdM stellte im ersten Vortrag Feed it vor. Dieses Firefox-Plugin ist im Rahmen der Projekte im Studiengang Medieniformatik entstanden im Sommersemester 2009. Die Motivation für dieses Plugin war der Umstand dass es einige Seiten im Web gibt, von Clubs, Bars und Lounges, die eben keinen RSS-Feed für spezielle Aktionen und Partys anbieten. Da dann vor dem Wochenende dieses Ansurfen jeder Seite umständlich ist, kam er auf die Idee einfach ein Firefox-Plugin zu bauen um von solchen Seiten eben einen persönlichen RSS-Feed zu erzeugen. Bei seinem Vortrag ist er erst auf die Thematik des RSS eingegangen und hat am Schluss noch erklärt wie man sein Plugin eben benutzt.
http://feedit.mi.hdm-stuttgart.de/

Der zweite Referent war Harald Amelung, der uns das neue Konzept ‘Coworking‘ vorgestellt hat.
Es handelte sich hie nicht um einen technischen Vortrag sondern es wurde hier eine völlig neue Art zu Arbeiten vorgestellt. Speziell richtet sich coworking vor allem an Freelancer und Einzelkämpfer die dann doch mal ein Projekt in einer kleinen Gruppe durchführen müssen bzw wollen. Durch coworking sollen diese Freelancer zusammenfinen wie z.B. der Webanwendungsentwickler und der Webdesigner aber auch Berufsgruppen die sich nicht direkt in der IT zu Hause fühlen. Man findet sich um z.B. das nächste Projekt gemeinsam zu stemmen. Natürlich können sich auch größere Gruppen bilden. Ein Problem an dieser Stelle stellt dann oft der nicht vorhandene Arbeitsplatz dar. Viele Freelancer arbeiten von zu Hause aus. Auch hier soll coworking eine Lösung bieten, so dass es in einer Stadt ein Gebäude, eine Wohnung eine Büro gibt in dem man sich für kurze Zeit oder auch mal eine Woche oder so einmieten kann. Hier gibt es ein großes Vorbild mit Berlin, wo es das betahaus gibt. Ab evtl. Februar soll hie in Stuttgart mit einem Startup auch so eine Möglichkeit entstehen.
Spontanes Coworking gibt es auch, das nennt sich dann jelly. Hier trifft man sich in privaten Räumen zum spontanen coworken.
Für Stuttgart gibt es beispielsweise auch Ambitionen für Kinderbetreuung, was natürlich für alleinerziehende Berufstätige sehr interessant sein kann, besonders wenn für das Kind kein Kindergartenplatz bzw. Kindertagesstättenplatz gefunden werden konnte.
Geschlossen wurde der Vortrag mit der Frage ob Coworking vielleicht zu einer Art Dauerbarcamp werden könnte.

Coworking in Stuttgart:
http://coworking-stuttgart.de
http://coworking0711.mixxt.de
http://twitter.com/coworking0711

coworking spaces weltweit google map

Als nächstes folgte ein längerer Vortrag bzw. auch Meinungsaustausch von Alvar Freude (Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur) über das letzte halbe Jahr im Zusammenhang mit den Ambitionen unserer Regierung Websites zu sperren. Er berichtete darüber wie dieses Thema mit den Kinderpornos und den damit verbunden Stoppschildern von Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble einfach nur als Wahlkampfthema benutzt wurde und darüber, wie viele Politiker, vor allem von der Presse aus Richtung Axel Springer Verlag, Angst hatten öffentlich als Kinderschänder(-gehilfen) dargestellt zu werden, nur weil sie sich gegen Sperrung von Internetseiten aussprechen würden. Er betonte immer wieder dass es nicht darum ginge dass man einschlägige Websites trotzdem sehen kann sondern dass solche Websites nicht gesperrt werden sondern direkt gelöscht werden.
Dabei erwähnte er dass er es in der Kommunikation mit zuständigen Politikern nicht nur mit „Internetausdruckern“ zu tun hatte sondern auch „Wiedereinscannern“. Als er einen Link verschickte, wurde diese Seite ausgedruckt, wieder eingescannt und als Anhang mit der Antwort an ihn zurückgeschickt. Für solche Leute, die so mit dem Internet umgehen ist es natürlich auch manchmal schwierig zu verstehen was Websperren für die Zukunft des Webs bedeuten können.
Das Löschen der Websites statt einfach nur dem Sperren ist zudem ein besserer Schutz für die Opfer.
Dann gab es ja noch die Onlinepetition gegen die Internetzensur die sogar erfolgreicher war als die Onlinepetition um die Minaralölsteuern zu senken, die nicht nur von ein paar Internetnutzern unterstützt wurde sondern sogar von der großen Volks”zeitung” Bild und dem riesigen Automobilclub ADAC initiiert wurden.
Zudem zeigte Alvar Freude auf dass eben Inhalte von Kinderpornographie nicht in Bananenstaaten oder in “Kuriosistaan” liegen sondern vor allem In den USA und in Deutschland.
Alvar Freude hatte sogar ein Experiment durchgeführt und von einer Australischen Sperrliste die jeweiligen Serverbetreiber angeschrieben und tatsächlich waren nach 12 Stunden schon 61 Seiten auf der Sperrliste aus dem Netz genommen.
Eine kleine Umfrage unter dem Publikum zeigte zudem, dass noch niemand zufällig über eine Kinderpornoseite gestolpert ist und die Erfahrung zeigt, sagte Alvar Freude, dass wenn man aktiv danach sucht Tage bis Wochen braucht um eine einschlägige Seite im Internet zu finden.

Der letzte Vortrag war von Jakob Schröter, einem Masterstudent an der HdM. Sein Vortrag war wieder leicht technisch angehaucht. Es ging um ein CMS das er mit anderen schon vor einiger Zeit entwickelt hat und heißt Kajona³. Es ist kein riesiges CMS sondern sehr schlank und eher für kleine, einfache Seiten gedacht bei denen proprietäre CMS einfach zu gewaltig wären.
Es hat einen WYSIWYG-Editor und ist relativ intuitiv bedienbar, man kann aber auch die Seiten technisch anschauen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man Websites damit komplett mehrsprachig bauen kann und auch für jede Sprache einen individuellen Navigationsbaum und Inhalte einfügen. Die Gestaltung einer Website kann man in HTML vornehmen ohne dass man Scripte schrieben muss. Für Galeries gibt es mehrere tools zur Auswahl schon integriert, darunter z.B. auch lightbox. Man kann damit auch bloggen, ein phpbb-forum anhängen und es gibt ein Rechtemanagement so wie eine Rollenverteilung (also für mehrere User) aber wiki gibt es noch keines. Updates gibt es zweimal im Jahr und die Updates seine leicht zu installieren. zur Sicherheit sind Captchas implementiert, die selbst geschrieben wurden.

Nach den vier Vorträgen legten wir den Nächsten Stuttgarter Webmontag auf 1. März 2010 fest und sind anschließend zum Großteil noch ins Unithekle gelaufen um dort noch zu Networken und über alles Mögliche zu reden. Kurz gesagt, es war ein wirklich interessanter und erfolgreicher Web Montag in Stuttgart … und er war längst schon fällig.

Irgendwie war es mir nicht möglich hier Bilder hochzuladen – wer welche sehen will gehe auf mein Blog.

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